Sich selbst beschäftigen – daran hat mein Sohn bisher noch keinen Gefallen  gefunden. Zwar spielt er oft und gerne vor sich hin, doch sollte ich währenddessen im selben Raum sein oder besser noch bei ihm sitzen.

In den vergangenen zwei Wochen schien dieses „Sich selbst beschäftigen“ in besonders weiter Ferne. Viel ging in Krümel vor. Das zeigte sich vor allem in plötzlichen Stimmungsumschwüngen, Wutausbrüchen und Schreianfällen. Kaum etwas konnte wir ihm recht machen, alles war irgendwie falsch. Normalerweise kann er sich gut mitteilen und einfach sagen, was ihm nicht gefällt, doch in den letzten Tagen schien er selbst nicht zu wissen, was das überhaupt ist.

So spielten sich andauernd Szenen wie die folgende ab:

„Möchtest du eine Banane?“

„Ja!“

„Bitte schön.“

„Neinnn! Keine Banane haben!!!!“

„Okay, kein Problem.“

„Uäääh, doch, Banane habennnn!!!!!“

„Na gut, hier bitte.“

„Ahhhhhhh, neinnnn!“

Diesen Ablauf konnte man in den vergangen Tagen auf so ziemlich alles anwenden: Anziehen, Ausziehen, Treppenlaufen, Kochen, Wickeln, Baden, Spielen, Einschlafen…

Krümel brach bei jeder (in meinen Augen) Kleinigkeit in Wut- oder Verzweiflungsttränen aus. Egal ob ich für den Obstsalat die falsche Schüssel ausgewählt hatte oder ob der Fußabtreter im falschen Winkel da lag. Noch dazu tat Krümel mit Vorliebe das, was er nicht durfte: Mit Zahnpasta den Spiegel „putzen“, versuchen die Gesichts-Creme zu essen oder mit dem Buntstift den Fußboden verschönern.

Es war anstrengend für alle Beteiligten. Und obwohl ich wusste, dass in Krümel etwas vorging und er das sicherlich auch nicht zum Spaß machte, verließ mich immer wieder die Geduld und ich hätte mich nicht selten am liebsten neben ihn auf den Boden geworfen und mitgebrüllt.

So schälte ich mich Letztens am Morgen ziemlich gerädert aus dem Bett und tappte ins Badezimmer, in der vollen Erwartung eines weiteren anstrengenden Tages. Doch anstatt an mir zu hängen, zu zerren und sich über alles zu beschweren, während ich mir die Zähne putzte, lief Krümel schnurstracks zur Spielecke. Anstatt kurz darauf einen Wutanfall zu bekommen, dem normalerweise das obligatorische „Maamaaa!“ folgt, hörte ich nur leises Klappern und Selbstgespräche aus Richtung der Spielküche.

Milde überrascht putzte ich mir die Zähne. Als ich damit fertig war und immer noch Frieden herrschte, begann ich mich zu Bürsten. Dann zu Schminken. Ruhe. Mein Spiegelbild blickte mich verwundert an.

Nach einer gefühlten Ewigkeit von ein paar Minuten traute ich dem Frieden nicht mehr. Normalerweise bedeutet der bei uns, dass Krümel etwas in die Finger bekommen hat, das er eigentlich nicht haben darf oder sonst etwas ausheckt.

Als ich gerade überlegte, ob ich mal nachsehen sollte, ertönte ein zufriedenes „Mamaaa, Abendessen fertig!“ aus dem Nebenzimmer. Dann vertrautes Fußgetrappel und schwupp stand Krümel im Türrahmen. Stolz streckte er mir eine Pfanne mit Holzgemüse entgegen.

Gemüse aus Holz in der Pfanne - Spielküche, Kinderküche

Am liebsten hätte ich diesen Moment eingefroren. Hatte mein Sohn sich da gerade friedlich alleine beschäftigt? Ohne mich daneben? So richtig alleine? Selten habe ich mich über Holzgemüse so gefreut wie an diesem Morgen. Innerlich vollführte ich mehrere Purzelbäume hintereinander.

Für manche mag es ganz normal sein, dass sich die Kinder in diesem Alter eine Weile ganz alleine beschäftigen, aber hier ist das gerade ein ganz großes Event. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für uns oder so. Noch dazu hat sich das Ganze gestern und heute wiederholt. Es sind immer nur ein paar Minuten. Ach, warum sage ich „nur“: Es sind ein paar Minuten Freiheit für mich und Stolzsein auf meinen kleinen, großen Jungen. Ich könnte mich echt dran gewöhnen.

Und jetzt schweige ich einfach und genieße.

 

P. S.: Falls ihr euch fragt, was Krümel an jenem Morgen gekocht hat: Es gab Sahne mit Tomatenmark. Ab jetzt mein absolutes Leibgericht!

Wie ich morgens ins Bad ging und plötzlich das Abendessen fertig war
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