Die liebe Mama on the rocks hat auf ihrem Blog zur einer Blogparade zum Thema #MeTime aufgerufen. Daher erzähle ich euch heute wie ich das mit der Ich-Zeit verlernt habe.

Die Ich-Zeit ist eines der Dinge, deren Wert mit der Ankunft eines Babys dramatisch steigt. Vor Krümels Geburt war mir die Zeit für mich allein sehr wichtig. Im Nachhinein betrachtet hatte ich aber keinen blassen Schimmer wie wertvoll sie wirklich ist. Den eigenen Hobbys nachzugehen oder auch einfach mal gepflegt gar nichts zu tun – beides ist nun nicht mehr ohne weiteres möglich. Besonders dann, wenn der Nachwuchs keine längeren, regelmäßigen Nickerchen einlegt. Wenn z.B. mal die Oma mit dem Kleinen für eine Stunde rausgeht, muss es wohlüberlegt sein, was man mit der gewonnenen Zeit anfängt. Zum Glück bin ich noch in Elternzeit und muss zumindest nicht an die Arbeit denken. Dennoch stellt mich die Ich-Zeit jedes Mal aufs Neue vor Herausforderungen.

Sobald die Oma mit Krümel die Wohnung verlassen hat, gilt es die erste Hürde zu überwinden. Und die hat es in sich. In die entstandene, ungewohnte Stille hinein ruft ein zartes Stimmchen „Putz mich!“

War das der Fußboden? Will er die angetrockneten Reste vom Mittagessen loswerden? Und was ist das? Klappert da das Geschirr in der Spülmaschine, weil es ausgeräumt werden möchte?

Hm. Erst mal taub stellen.

Eine Stunde zur freien Verfügung. Was tun? Hilfe, mir fällt nichts ein. Nun ja, mir fällt schon etwas ein, aber so viele Dinge auf einmal, dass sie sich gegenseitig im Wege stehen, auf die Füße trampeln und so laut „Hier! Hier! ICH!“ schreien, dass ich sie nicht verstehen kann.

Erst mal ‘nen Kaffee. Das mache ich zwar häufiger, aber heute kann ich ihn endlich mal wieder trinken, solange er noch warm ist. Also ab in die Küche. Dort ist das Stimmchen des Geschirrs leider deutlicher zu vernehmen.

Ignorieren klappt aber noch ganz gut. Allerdings höre ich nun auch ein leises Gluckern aus dem Badezimmer. Ist das der Wasserhahn, der entkalkt werden will? Nichts da! Die Kaffeemaschine ist doch schon so nah. Noch ein paar Schritte, dann ein Knopfdruck und warten bis das Wasser kocht.

*trpp trpp trpp*

Hm, hat das immer schon so lange gedauert?

*trpp trpp trpp*

Meine Fingernägel trommeln ungeduldig auf die Arbeitsplatte ein. Das übertönt wenigstens das Geschirr, das mittlerweile vehement auf sich aufmerksam macht.

*Pieps*

Endlich – das Wasser ist heiß. Noch ein Knopfdruck und der Duft von Kaffee steigt mir in die Nase. So, was kommt als Nächstes? Oh, ich hab’s, ich wollte doch ein neues Bild für den Blog zeichnen. Also ab zum Schreibtisch. Auf dem Weg dorthin muss ich durchs Wohnzimmer. Aus dem Wäschekorb auf dem Sofa winken mir fröhlich ein paar T-Shirts und Babysocken entgegen. Bleib hart!

Ich klammere mich an meine Kaffeetasse und verbrenne mir dabei fast die Finger. Der Schmerz lenkt immerhin von der Wäsche ab. Sicheren Schrittes steuere ich auf meinen Schreibtisch zu.

„Hüstel.“

Wie bitte?

„Hüstel!“

Oh, die Topfpflanzen. Die sind ja ganz trocken.

Nein, die halten noch etwas durch. Ich will mich doch um meine Hobbys kümmern!

Aber das Röcheln halbverdursteter Topfpflanzen habe ich noch nie gut ertragen können. Dann eben eine schnelle Runde Blumengießen durch die Wohnung. Aber dann wirklich die Hobbys, ja?

Argh, nur noch 40 Minuten übrig! Wie konnte denn das passieren?!

Jetzt heißt es ruhig bleiben. Nicht hyperventilieren. Ich sagte, NICHT hyperventilieren.

Schnell zum Schreibtisch und einen lauwarmen Schluck Kaffee nehmen. Zeichenzeug ausbreiten. Dann noch schnell den Rechner hochfahren und die Lieblingsmusik aufdrehen. Die tollen neuen Kopfhörer aufsetzen, damit die Nachbarn keinen Hörsturz bekommen und den Bleistift spitzen.

Die Musik tut gut. Am liebsten würde ich jetzt wild durch die Wohnung tanzen. Dann kann ich nebenher aber nicht mehr Zeichnen und die Freizeit muss doch effizient genutzt werden. Also Musik aus und stattdessen ein Hörbuch anmachen.

Hm, wo hatte ich da aufgehört? Mal kurz vorspulen. Dann zurückspulen. Nochmal vorspulen. Ah, hier war ich. Oder? Egal, einfach laufen lassen: Die Uhr tickt.

Grr, heute will mich die Muse irgendwie nicht küssen. Ich breche das Zeichnen ab und schnappe mir meine Häkelsachen. Wo sind die eigentlich? Nicht in der Schublade. Auf dem Schrank? Auch nicht. Bei den Bastelsachen? Nee.

Mama weiß nicht, was sie mit ihrer Freizeit anstellen soll. Daher macht sie alle Hobbys auf einmal.
Die Ich-Zeit wird zur Zerreisprobe

So langsam werde ich unruhig. Es ist schon über eine halbe Stunde um und ich habe noch NICHTS gemacht. Außerdem macht Suchen hungrig. Zurück in die Küche.

Der Kühlschrank ist erschreckend leer. Wir sollten dringend einkaufen. Kommt auf die Todo-Liste. Gleich hinter „Putzhilfe engagieren“. Lieber ein belegtes Brot, Müsli oder Rührei? Aus Zeitgründen wähle ich Tor 4, eine Dose Erdnüsse, und tappe wieder zum Schreibtisch.

Mit salzigen Erdnussfingern lässt es sich weder Zeichnen noch Häkeln. Was tun? Mir fällt ein schwarzer flacher Kasten an der Wand auf. Der Fernseher! Wann war der denn zum letzten Mal an? Ob der noch funktioniert?

„…heute confiertes Land-Huhn an Champagner-Trüffel-Chutney…“ – zapp

„..hast mit deinem Bruder ein Baby…“ – zapp

„…jetzt an und sichern Sie sich zusätzliche einen Handstaubsa…“ – zapp

„…verklag ich dich und deine Mudda, ey!“ – zapp

Ich geb’s auf. Ich kann das mit der Ich-Zeit nicht mehr.

Als ich Schlüsselrasseln an der Wohnungstüre höre, wird mir bewusst, dass ich mal wieder meine wertvolle Zeit verbummelt habe.

Aber beim nächsten Mal! Beim nächsten Mal mach‘ ich alles besser. Ganz bestimmt. Ja, wirklich!

Wie ich das mit der Ich-Zeit verlernte – Blogparade #MeTime
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