In der Reihe „Was ist anders?“ erzähle ich euch ja in unregelmäßigen Abständen wie mein Alltag als Mama mit Sehbehinderung aussieht. So habe ich schon geschrieben wie das mit dem Vorlesen bei uns funktioniert und wie wir gemeinsam Spielen. Welche kleinen Unterschiede es in unserem Alltag noch gibt, möchte ich euch am liebsten anhand eines x-beliebigern Tages zeigen, weil ich denke, dass das am aussagekräftigsten ist – warum nehmen wir also nicht den 12. Januar 2016? Hier kommt also mein etwas anderes 12 von 12 mit einem stinknormalen Tag mit Blindenstock.

 

Begonnen hat der Tag früh. ZU früh.

Die Uhr zeigt 5:06

Aus irgendeinem Grund war Krümel um 5:06 aufgewacht. Während sich mein Mann schlaftrunken aufraffte, um früh ins Büro zu gehen, versuchte ich unseren kleinen Frühaufsteher zum Weiterschlafen zu überreden. Irgendwann hatte ich tatsächlich Erfolg. Zwei Stunden später schälten auch wir uns aus dem warmen Bett. Warme Milch für den Sohn, Zähneputzchen, Anziehen und auf zur Kita.

Durch die dicken Regenwolken war es noch so dunkel, dass ich meinen Blindenstock zücken musste (bei besseren Lichtverhältnissen geht’s auch ohne).

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Natürlich regnete es. In Strömen. Mit Krümel in der Trage, einer Tasche über der Schulter, dem Blindenstock in der einen und dem Regenschirm in der anderen Hand ging es also los in Richtung Bahn. Packesel-Feeling pur!

Irgendwie schafften wir es halbwegs trocken zur Kita. Sobald Krümel mit Spielen beschäftigt war, ging ich weiter ins Büro. Dort angekommen gab es für mich erst mal Frühstück. Müsli mit Joghurt und frischem Obstsalat vom Buffet in der Kantine. Genial!

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Schnell essen und E-Mails checken, bevor es ins erste Meeting des Tages geht.

Zum Arbeiten am PC benutze ich eine Vergrößerungs-Software. Damit kann ich z. B. die Bildschirmfarben an meine Bedürfnisse anpassen und (noch viel wichtiger) den Bildschirminhalt stark vergrößern. Als Beispiel habe ich mal meinen letzten Blog-Beitrag im Browser geöffnet. So sieht der für mich aus. Ich zoome also alles sehr stark heran. Auf meinen 27-Zoll-Bildschirm passt auf diese Weise etwa ein Drittel einer Textzeile. Um den gesamten Text zu lesen schwenke ich dann mit der Maus hin und her. Durch die invertierten Farben fällt mir das Lesen leichter, da es viel angenehmer für meine Augen ist.

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Beim Mittagessen habe ich ganz vergessen ein Foto zu machen. Ich war zu sehr ins Plaudern mit den Kollegen vertieft. Beim Nachmittags-Kaffee habe ich aber wieder dran gedacht.

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Um 14 Uhr war Feierabend für mich und ich eilte durch den Regen zurück zur Kita. Dort holte ich Krümel ab und packte ihn wetterfest ein. Zum Glück hatte sich der Regen inzwischen zu einer Pause entschossen und wir konnten uns ohne Schirm auf den Heimweg machen.

Krümel entledigte sich auf dem Weg zur Bahn prompt seiner Mütze. Ich merkte es zu spät und durfte dann den Weg nach ihr absuchen. Was für andere nicht der Rede wert ist, wird für mich zum Problem, da ich Dinge, die auf dem Boden liegen kaum erkennen kann. Für mich heben sie sich nicht vom Untergrund ab. Irgendwann hatte ich aber Glück und wir hatten die Mütze wieder. Dieses Mal bekam sie einen Doppelknoten. Sicher ist sicher, ne?

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In der Stadt legten wir einen kleinen Zwischenstopp in der Buchhandlung ein. Eigentlich wollte ich als Geschenk für das Baby einer Freundin ein bestimmtes Bilderbuch kaufen, doch das war nicht vorrätig. Stattdessen fand ich eine niedliche Rassel. Zack, gekauft.

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Im Vorbeigehen holten wir uns noch eine Kleinigkeit beim Bäcker. Ich würde eigentlich gerne mal was Neues ausprobieren, aber in der Auslage erkenne ich nur verschwommenes Irgendwas und auch den kleinen Text auf den Schildchen kann ich nicht lesen. Da um die Zeit viel Andrang herrschte, wollte ich die Damen hinter der Theke nicht aufhalten, um zu fragen, was es denn so gibt. Also kaufte ich ein Stück altbekannten Hefezopf.

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Zuhause angekommen verputzten Krümel und ich den Hefezopf mit Banane und Birne. Da das Wetter immer noch mies war, blieben wir drinnen und tanzten zur Musik durch die Bude. Krümel bekletterte anschließend eifrig seinen Kletterbogen und das neue Rutschbrett.

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Da kam auch schon der Papa nach Hause. Während er mit Krümel weiterspielte schälte ich in der Küche einen Berg Karotten, mischte sie mit Olivenöl, Salz und Pfeffer und schob sie fürs Abendessen in den Ofen.

Schüssel mit Karrottenstückchen

Mein Mann kümmerte sich anschließend ums Hühnchen und die Soße, während ich mit Krümel noch ein paar Bilderbücher anschaute. Und dann gab’s auch schon Abendessen.

Nun ist Krümel im Bett und ich schau mir mit meinem Mann noch den ersten Teil der Ocean’s-Trilogie an, die wir zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. Ich liebe diese Filme!

Ocean's DVD Collection

Ich hoffe, ihr hattet auch einen schönen 12. Januar. Bei Draußen nur Kännchen könnt ihr nachlesen wie der heutige Tag bei anderen so war.

Was ist anders #3 – Mein Alltag mit Blindenstock
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2 Gedanken zu „Was ist anders #3 – Mein Alltag mit Blindenstock

  • 13. Januar 2016 um 0:13
    Permalink

    Das war heute echt ein regnerischer Tag, trotzdem sind es 12 schöne und auch interessante Bilder bei Dir geworden.
    So eine Rassel hatte das Winterkind auch und ich bin sicher, das Baby wird sie lieben.
    Hab noch eine schöne Woche
    Tanja

    Antworten
    • 14. Januar 2016 um 18:14
      Permalink

      Liebe Tanja,
      die Rassel, die ich eigentlich kaufen wollte, kam bei meinem Baby-Neffen damals so gut an, dass ich sie gerne noch mal verschenkt hätte. Aber der Pilz ist auch niedlich. Hauptsache es macht Geräusche und tut nicht weh, wenn es sich die Kleinen an den Kopf pfeffern ;-)
      Liebe Grüße
      Anja

      Antworten

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