Beim letzten Mal habe ich darüber geschrieben, wie ich mit meinem kleinen Sohn Bilderbücher anschaue, obwohl mir meine Sehbehinderung dabei gern mal im Weg steht. Heute möchte ich euch erzählen wie ich mit Krümel spiele und tobe.

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Für gute Rahmenbedingungen sorgen

Das Leben als Kleinkind ist schon toll. Vom Aufwachen bis zum Schlafengehen ist alles ein Spiel. Der Tag besteht aus Entdecken, Erforschen und Ausprobieren. Und Mama und Papa sind dabei die beliebtesten Spielgefährten. Wenn ich nicht gerade eine durchwachte Nacht hinter mir habe, macht mir das gemeinsame Spielen auch einen riesen Spaß.

Damit wir ungehindert spielen können, muss zu allererst der Raum sehr gut ausgeleuchtet sein. Da ich u.a. dämmerungsblind bin, reicht da keine „normale“ Zimmerbeleuchtung. So haben wir hier pro Zimmer zwischen acht und sechzehn Lämpchen verteilt (aus Stromspargründen haben wir die häufig genutzten Lampen bereits durch LED-Leuchten ersetzt). Denn nur wenn es schön hell ist, kann ich mich beim Spielen mit dem Kurzen auch frei bewegen und habe eine Chance die herumkullernden Spielzeuge zu erkennen.

Alles was rasselt, klappert oder sonst irgendein Geräusch macht, erkenne ich auf Anhieb, beim restlichen Spielzeug ist es etwas schwieriger. Hält Krümel einen kleinen Gegenstand hoch und streckt ihn mir entgegen, muss ich entweder ganz nah herankommen, diesen selbst in die Hand nehmen oder Krümel fragen, was er denn da in der Hand hat. Krümel kann mit seinen vierzehn Monaten natürlich noch nicht sprechen, aber er hat eine große Freude daran Laute nachzuahmen. Hält er mir z.B. die Lämmchen-Figur hin und ich frage, was es ist, macht er sein Geräusch für „Mäh!“ und ich weiß Bescheid. Manchmal kommt er auch einfach zu mir und hält mir den jeweiligen Gegenstand vor die Nase oder drückt ihn mir in die Hand.

Ein Glöckchen hier, ein Deckchen da…

Wenn wir aktiver spielen und z.B. gerade mit dem Ball von einem Zimmer zum nächsten flitzen, verfolge ich den Ball hauptsächlich über die Geräusche, die er beim Abprallen an den Wänden oder beim Aufkommen auf dem Boden macht. Außerdem haben die meisten unserer Bälle entweder eine integrierte Rassel oder der Ball hat zumindest zwei kontrastreiche Farben. Der schwarz-weiß-gemusterte Fußball ist sehr praktisch, denn auf hellem Boden, heben sich die schwarzen Flecken gut ab, auf dunklem Boden stechen die weißen Flecken hervor.

Ein anderes Beispiel: Wir haben ein Steckspiel mit gelben Förmchen. Auf hellem Boden sind diese für mich praktisch unsichtbar, da sie keinen Kontrast zum Untergrund haben. Da unsere Spieldecke aber eine dunkle Farbe hat, kann ich sie darauf prima erkennen. Spielen wir gerade mit eher dunkleren Gegenständen, habe ich die Möglichkeit eine helle Decke auszubreiten, so kann ich die dunklen Spielsachen besser sehe.

Wenn wir gegen Abend die Beleuchtung gedimmt haben und Krümel auf etwas deutet, das ich im Halbdunkel nicht sehen kann, dann taste ich einfach seinem ausgestreckten Arm entlang und verfolge die Richtung bis ich den Gegenstand entdeckt habe, den Krümel meint. Meist ist es sein Kuscheltuch oder seine Wasserflasche.

So kommen wir problemlos zurecht ohne dass wir im Spielverlauf eingeschränkt sind. Natürlich kommt es mir da zugute, dass ich in unserer Wohnung ganz genau weiß, wo alles steht und mich daher völlig frei bewegen kann. So weiß ich auch, wo Gefahren lauern könnten. Steckdosen und Ähnliches sind natürlich gesichert, aber wenn Krümel beispielsweise auf das Bett klettert, wo er runterfallen könnte, oder zur Stehlampe läuft, die er umwerfen könnte, bin ich immer direkt dabei, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Außerhalb der Komfortzone

Die Sicherheit der eigenen Wohnung, die mir so vertraut ist, dass ich mich in ihr wortwörtlich „blind“ bewegen kann, ist in fremder Umgebung natürlich nicht gegeben. Deshalb bin ich auch ungern mit dem Kleinen in fremden Wohnungen zu Besuch. Der Hauptgrund ist, dass diese in den meisten Fällen nicht kindersicher sind. Steckdosen sind nicht gesichert, Kabel hängen herum und überall stehen zerbrechliche Gegenstände oder es liegt Papierkram herum, der sich aus Kleinkindsicht ganz vorzüglich zum Zerreißen eignet.

Ganz normale Wohnungen eben, aber aus meiner Sicht eher Wundertüten mit unbekanntem Inhalt. Ein Einjähriger möchte herumlaufen und die neue Umgebung erkunden, ohne dass ständig die Mama-Henne hinter ihm her sein muss mit „Nein, nicht dorthin!“ und „Das ist nicht zum Spielen!“.

Das geht wahrscheinlich allen Eltern so, wenn sie in nicht-kindersicheren Wohnungen zu Besuch sind. Für mich bedeutet das jedes Mal Stress. Wo ist die nächste Gefahrenquelle? Was ist das dort eigentlich und ist es zerbrechlich, gefährlich oder harmlos?

Zum Unterhalten mit den Gastgebern kommt man dabei natürlich wenig.

Wenn es geht vermeide ich solche Besuche und lade lieber zu uns ein oder wir treffen uns draußen oder in einem kinderfreundlichen Restaurant. Das ist für alle Beteiligten angenehmer und so hat man sogar Zeit für Gespräche.

Alles eine Frage der Einstellung

Mit der Zeit habe ich mir für diese und andere Situationen viele kleine Tricks einfallen lassen, um mir und uns das Leben einfacher zu machen. Natürlich geht trotzdem mal ein Spielzeug verloren. Dann rutscht die Mama halt auf dem Boden herum und tastet mit ausgebreiteten Armen hin und her. Das sieht dann vielleicht dämlich aus und dauert länger als bei Mamas mit gesunden Augen, aber erfolgreich bin ich trotzdem irgendwann und der Sohn findet Mamas Suchmethode lustig – mehr will ich gar nicht.

 

Was ist anders #2 – Zeit zum Spielen
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