Es ist soweit. Lange habe ich es nicht glauben wollen, aber nun wird Krümel tatsächlich zum Kita-Kind. Das stimmt mich wehmütig, schließlich haben wir eine intensive, glückliche und manchmal ganz schön anstrengende Zeit hinter uns. Krümels erstes Lebensjahr ist quasi im Galopp vorbeigerannt und nun steht die Kita-Eingewöhnung an. Das heißt, wir werden in Zukunft einige Stunden am Tag getrennt von einander verbringen. Je näher der Tag kam, desto nervöser wurde ich.

Genau genommen hätten wir schon letzte Woche mit der Eingewöhnung starten sollen. Allerdings ist Krümel am Wochenende krank geworden. Es war nichts Wildes, aber an eine zusätzliche Belastung durch die neue Umgebung war natürlich nicht zu denken. So rief ich am Montagmorgen in der Kita an und verschob den Start um eine Woche.

Nach ein paar Tagen war Krümel wieder ganz der Alte und mein Herz begann erneut vor Aufregung zu flattern. Einerseits freute ich mich, dass Krümel bald viele Spielkameraden um sich haben würde. Andererseits konnte ich mir noch nicht vorstellen ihn „loszulassen“. Schließlich waren wir seit seiner Geburt nie länger als ein paar Stunden voneinander getrennt und er war dann immer beim Papa oder der Oma und nicht bei „Fremden“. Mir wurde klar, dass am Montag nicht nur Krümels sondern auch meine Eingewöhnung starten würde.

Obwohl ich am Sonntag bereits alles so weit wie möglich vorbereitet hatte, wurde es am Montag dann doch etwas hektisch. Krümel unternahm mit seinem Frühstück lieber Fallstudien anstatt zu essen und war auch beim Wickeln und Anziehen komplizierter als sonst. Wahrscheinlich spürte er meine Aufregung, auch wenn ich mein Bestes gab diese zu verbergen.

So kamen wir gerade noch rechtzeitig vor der Kita an. Eigentlich wollte ich eine Viertelstunde vorher dort sein, um den Weg in Ruhe mit dem Blindenstock zu erkunden, da wir einen anderen Eingang nehmen sollten als beim Vorgespräch vor zwei Wochen. Glücklicherweise kam mir am Tor eine Kollegin entgegen, die ihr Kind gerade abgeliefert hatte und mir den Weg zeigte.

An der Garderobe erwartete uns auch schon eine Erzieherin aus der Krabbelgruppe, die Krümels Bezugsperson werden soll. Sie begrüßte uns herzlich und gab uns eine kleine Tour. Anschließend verschwanden wir im Krabblernest, Krümels neuem Zuhause – zumindest für ein paar Stunden am Tag.

Die erste Woche verlief so, dass Krümel und ich morgens jeweils für eine Stunde gemeinsam im Raum der Krabbelgruppe verbrachten. Während er mit der Erzieherin spielte, war meine Aufgabe nichts zu tun. Einfach dasitzen und der „sichere Hafen“ für Krümel sein, während er den Raum und die Kinder um sich herum entdeckte.

Und als Hafen hat man’s echt nicht leicht. Nicht einmal mit den tollen Spielzeugen dar man spielen. Besonders schwer fiel es mir, nicht auf die Spielangebote der anderen Kinder einzugehen. Ständig setzte sich eines neben mich und legte mir ein Bilderbuch auf den Schoß oder drückte mir ein Spielzeug in die Hand. Am liebsten hätte ich mich in den Raum gesetzt und mitgespielt. Aber meine Aufgabe war ja eine andere. Ich hätte nie gedacht, dass Nichtstun so schwierig sein kann.

Am ersten Tag war Krümel noch sehr zurückhaltend. Er zeigte zwar reges Interesse an seiner Umgebung und nahm auch Spielzeug von seiner zukünftigen Bezugserzieherin an, doch er entfernte sich nie weiter als einen Meter von mir.

Am zweiten Tag war er schon deutlich mutiger. Überhaupt lachte und quietschte er mehr. Am Ende der Woche erkundete er bereits den gesamten Raum und wagte sogar kurz den Schritt in ein benachbartes Zimmer.

Apropos Schritt: Am letzten Tag – kurz vor Ende der Stunde – stand Krümel plötzlich auf, lief ein paar Schritte, schaute sich um und lief dann einfach weiter. Er hatte mal so entschieden, dass es jetzt Zeit für ihn war mit dem Laufen anzufangen. Vielleicht hatten ihn ja die anderen Kinder aus der Gruppe dazu animiert. Mir liefen vor Freude die Tränen und die Erzieherin klatschte lachend in die Hände. Von Krümel brachte uns das nur ein paar verwunderte Blicke ein, als würde er fragen: „Was’n los? Noch nie ein Kind laufen sehen?“

Es war schön zu sehen wie Krümel von Tag zu Tag mehr Freude beim Spielen hatte und auch mit der Erzieherin und den anderen Kindern allmählich warm wurde. Es war zwar täglich nur eine Stunde, aber wir merkten beide wie das an uns zehrte. Krümel schlief jeden Tag ein sobald ich ihn in den Buggy gesetzt hatte.

Auch ich war jedes Mal erschöpft, wenn wir die Kita verließen. Am ersten Tag war ich so fertig, dass ich beinahe beim Mittagessen mit dem Gesicht voran in die Pasta gefallen wäre. Um wie viel erschöpfender mussten die Erlebnisse dann für Krümel gewesen sein?

Auch wenn die ersten Tage positiv verliefen, war ich froh, dass wir am Wochenende Zeit für uns hatten. Einfach nur Mama-Papa-Kind und sonst niemand. Zeit zum Durchatmen.

Mal sehen, was die nächste Woche bringt. Dann steht die erste Trennung auf dem Programm. Ich merke schon wie meine Nervosität wiederkehrt.

Unser Kita-Start Teil 1: Erste Schritte
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