Wieder ist ein Monat vergangen und ich bin nicht schwanger. Wieder sind vier kostbare Wochen verflogen und ich bin meinem Wunsch nach einem zweiten Kind keinen Schritt näher gekommen. Ich bin am Verzweifeln. Seit beinahe eineinhalb Jahren lande ich Monat für Monat erneut auf dem harten Boden der Tatsachen. Jeden Monat durchlebe ich den Kreislauf aus Hoffnung, Warten und Enttäuschung. Die Enttäuschung trifft mich jedes Mal aufs Neue. Man möchte meinen, ich hätte mich mittlerweile daran gewöhnt, doch dem ist nicht so.

Seit eineinhalb Jahren schlucke ich jeden Morgen artig meine Folsäure-Tabletten für Kinderwunsch und Frühschwangerschaft. Selbst während der Zeit meiner Fehlgeburt hörte ich nicht damit auf. Ich wollte immer weiter machen. Nicht aufgeben. Blick stur nach vorne gerichtet.

Immer häufiger frage ich mich jedoch, was ich da eigentlich mache. Das bringt doch nichts. Wozu Herzblut und Geld investieren, wenn es am Ende eh für die Katz ist? Egal was ich mache, es nützt doch alles nichts!

Das ist glaube ich der Punkt, der mir am meisten zu schaffen macht: Im Grunde genommen kann ich nichts tun außer Hoffen und Warten. Es gibt keinen Weg wie ich mich noch mehr anstrengen kann, wie ich noch mehr kämpfen kann, um endlich schwanger zu werden. Bisher war ich es gewohnt meine Ziele durch Einsatz und Engagement zu erreichen. Musste ein zeitkritisches Projekt erledigt werden, schlug ich mir die Nächte um die Ohren. Gab es ein komplexes Problem, recherchierte ich bis ich die Lösung gefunden hatte. Doch beim Thema Kinderwunsch stoße ich an meine Grenzen.

Es gibt nichts, was ich aus mir selbst heraus noch aktiv tun könnte. Diese Tatsache nagt an mir und macht mich hibbelig. Mir fehlt die Kontrolle, die mir immer so wichtig ist. Ich bin in dieser Angelegenheit zu einem großen Teil machtlos. Das ist für mich nur schwer zu ertragen.

Immer wieder höre oder lese ich, dass man das Thema Kinderwunsch nicht so verbissen angehen soll. Vom Hineinsteigern werden die Chancen auf eine Schwangerschaft auch nicht besser. Aber Himmel, wie soll ich mich entspannen, wenn dieses Thema jeden Tag und jede Nacht meine Gedanken beherrscht? Kopf und Herz ausschalten: Das wär’s!

Entspannung auf Knopfdruck gehört definitiv nicht zu meinen Fähigkeiten. Loslassen auch nicht – und glaubt mir, ich habe es versucht.

Dazu kommt, dass die Uhr in meinem Körper und in meinem Kopf tickt. Ich weiß um die zunehmenden Risiken für Schwangerschaft und Kind abhängig vom Alter der Mutter. Ich sehe wie Krümel seinen dritten Geburtstag feiert und wünsche mir für ihn ein Geschwisterchen, mit dem er spielen, toben und streiten kann. Besonders Letzteres versetzt mir immer wieder einen Stich. Das Thema Geschwisterchen ist gerade sehr aktuell, da die meisten Kita-Freunde jüngere oder ältere Geschwister haben. So fragt Krümel regelmäßig, ob er auch einen Bruder hat. Da muss ich mich jedes Mal zusammenreißen, um nicht in Tränen auszubrechen.

Die Zeit läuft auf mehreren Ebenen gegen mich. Ich versuche, nicht nervös zu werden. Aber ich fürchte, dass ich diesen Kampf gerade verliere.

Kein Tag vergeht, ohne dass ich Schwangeren oder Müttern von Neugeborenen begegne. Auch in der Arbeit bekommt gerade ein Kollege nach dem anderen Nachwuchs. Ich gebe dann mein Bestes, mich mitzufreuen anstatt wieder in Kummer zu versinken und mich selbst noch weiter unter Druck zu setzen. Es mag mir aber nicht recht gelingen.

Ich bin unschwanger und das ist eine Tatsache. Sie lässt sich nicht leugnen, nicht wegdiskutieren und auch nicht schönreden.

Hin und wieder wage ich es mir vorzustellen wie eine Zukunft aussähe, in der wir die Hoffnung auf ein zweites Kind aufgeben haben. Wie es wäre, wenn wir eine Ein-Kind-Familie blieben. Ich will mir einreden, dass auch diese Zukunft schöne Seiten und Vorteile hätte. Dass Krümel auch ohne Geschwisterchen glücklich sein würde. Dass mein Mann und ich vermutlich ein ruhigeres Leben hätten als mit mehr Kindern.

Doch mein Herz ist immun gegen diese flüsternden Gedanken. Es weiß, was es will und das ist ein zweites Kind in unserer Familie. Hier ist noch ein Platz frei und ihn leer zu sehen schmerzt jeden Tag.

Unschwanger
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2 Gedanken zu „Unschwanger

  • 7. September 2017 um 6:40
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    Das tut mir sehr leid für euch. Ich drücke euch die Daumen, dass sich der Wunsch doch noch erfüllt.
    Mir geht es ähnlich. Nachdem mein Mann erst kein zweites Kind wollte, hat er sich nun doch dazu entschieden. Mein Sohn ist bereits 4 und wir „basteln“ seit 1 Jahr. Anfangs hatte ich die Hoffnung, dass es beim 2. Kind schneller geht, weil „vorgewärmt“. Aber die hat sich leider nicht erfüllt. Dazu kommt ein weiterer Zeitdruck. Meine Firma sperrt nächstes Jahr zu. Ich könnte also jetzt noch schwanger werden und mir nach der Karenz dann einen neuen Job suchen, oder ich suche mir jetzt einen neuen aber dann wird es wohl erst recht nichts mit Kind 2. Ich versuche, diesen Zeitdruck zu ignorieren abed jedes Monat wenn der Tag der Wahrheit kommt, trifft es mich erneut und ich merke meine Traurigkeit.
    Ich hoffe es gibt für uns beide bald einen erfüllten Wunsch nach einem 2. Kind. Liebe Grüße aus Wien ☺

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  • 7. September 2017 um 21:31
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    Meine liebe, liebe Mami_anders,
    am liebsten würde ich Dich in den Arm nehmen und dir sagen, dass alles gut wird. Aber das kann ich nicht, weil ich es nicht weiß. Ich kann nicht in die Zukunft blicken, ebensowenig wie Du es kannst. Dennoch verstehe ich dich. Voll und ganz. Es ist nicht leicht zu trösten, wenn ein unerfüllter Wunsch so belastend ist. Aber vielleicht kannst du den Blick lenken auf das was ist: Ihr habt einen wunderbaren Sohn und ihr habt euch. Das ist ein großes, großes Glück. Natürlich weißt du es bereits. Aber vergegenwärtige es dir immer wieder. Lass los, alle diese Gedanken zu tickenden Uhren und schwangeren Frauen. Das tut der Seele weh. Lass dein Leben nicht davon bestimmen. Schau auf deine wunderbare Familie. Die ist jedes Lächeln wert. Ich wünsche Dir von Herzen, dass dein Wunsch in Erfüllung geht. Eine feste Umarmung! Anna

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