Ein Enkelkind ist etwas ganz Besonderes. Das erste Enkelkind sowieso. Da fühlt man sich als werdende Eltern schon ein wenig unter Druck gesetzt, schließlich will man ja der frohen Kunde gerecht werden und der Verkündung einen angemessenen Rahmen verleihen. Aber wie bloß?

Schplatzgleisch

Nun waren wir vorletztes Jahr über die Weihnachtsfeiertage bei meinen Eltern und ich wusste, dass ich schwanger war. Ich hatte noch keinen Schwangerschaftstest gemacht (dafür war es eh zu früh) und mir war auch nicht übel oder dergleichen. Ich wusste es einfach. Und eigentlich wollte ich niemandem – außer meinem Mann natürlich – vor der uminösen 12. Schwangerschaftswoche davon sagen. Dann war da aber dieses Gefühl platzen zu müssen, wenn ich es nicht bald jemandem erzählte. Wir würden die nächsten Tage mit meinen Eltern verbringen und ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass sie Weihnachten als werdende Großeltern verbringen würden ohne etwas von ihrem Glück zu wissen. Außerdem: Geteilte Freude ist doppelte Freude, stimmt’s? Zudem wurde meine Vorfreude vom Weihnachts-Glitzer-Flausch in ungeahnte Höhen getrieben. Schnell stand fest: Es musste raus! Also, die Nachricht, nicht das Baby.

Großeltern gehen mit Enkelkind im Kinderwagen spazieren

Das Vorhaben stand also und es sollte unbedingt noch am selben Tag in die Tat umgesetzt werden (wegen platzen und so). Doch ich ließ eine Gelegenheit nach der anderen verstreichen. Es kam einfach immer irgendetwas dazwischen: Das Telefon, die Türklingel, meine eigene Zuge. Besonders meine eigene Zuge. Denn die wollte die Worte einfach nicht formen, die mir so unter den Nägeln brannten. So verbrachte ich quasi den gesamten Tag mit einem Adrenalin-Cocktail im Blut und ordentlich Puls. Mein Mann wurde auch schon ganz unruhig.

Am Abend saßen wir dann alle gemeinsam am Tisch und vertrieben uns die Zeit bis zum Tatort (der ist bei meiner Mama nämlich Pflicht) mit einem Würfelspiel. Währenddessen bekam ich von meinem Mann zuerst dezente, dann immer wehementere Stupser unterm Tisch verpasst. Mach endlich! Doch meine Zunge versagte wieder und wieder den Dienst. So langsam wurde ich panisch. Noch eine Nacht ohne es gesagt zu haben würde mein Herz nicht mitmachen!

Der Tatort-Jingle begann. Oh Schreck!

Meine Mama erhob sich und würfelte die letzte Runde halb im Stehen, während sie verstohlene Blicke über die Schulter in Richtung Fernseher warf.

„Ihr werdet Großeltern!“

Da war’s raus. Meine Zunge hatte die magischen drei Wörter letztendlich doch noch ausgespuckt. Nur hatte sie wohl vergessen, meinem Hirn vorher Bescheid zu geben. Denn ich war mindestens genauso überrascht von meinen eigenen Worten wie meine Eltern.

Mein Papa zählte gerade die Punkte zusammen und schien noch gar nicht recht mitbekommen zu haben, was los war. Meine Mama murmelte gedankenverloren „m-hmm“, während sie sich schon zum Fernseher umwandte. Dann hielt sie inne, drehte sich wie in Zeitlupe wieder um und ließ sich auf ihren Stuhl zurück sinken: „Hm?“

Tja, das war‘s. An Spontanität und Kreativität kaum zu überbieten.

Die Freude war trotzdem riesengroß. Mein Papa hat an dem Abend noch Datum und Uhrzeit auf dem Punktebogen für die Nachwelt festgehalten und der Tatort war an diesem Abend völlig vergessen.

Mit ein kleinwenig mehr Plan

Für unsere Freunde hatten wir uns einige Wochen später übrigens ein kleines Suchspiel ausgedacht und zum gemütlichen Sonntagsbruch eingeladen. Im Flur – wo eine große Pinnwand hängt – hatten wir ein Ultraschallbild zwischen den übrigen Fotos platziert. Nun sollten die Freunde ein „neues Bild“ suchen. Es dauerte übrigens eine Weile bis der Groschen fiel.

Schon für die Verkündung unserer Hochzeit hatten wir damals unsere Freunde zum Sonntagsbrunch eingeladen. Sobald jemand im Freundeskreis seither zum Brunch einläd, heißt es deshalb: „Wieso, bist du schwanger?“ Auch bei Männern ;-)

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Jessi hat zur Blogparade #ichhabesgesagt aufgerufen und dabei verraten wie sie ihrer Familie von der Schwangerschaft mit ihrer Tochter erzählt hat. Eine sehr süße und lesenswerte Geschichte.

Wie habt ihr euren Lieben eröffnet, dass sie Großeltern/Onkel/Tanten/etc. werden?

Tatort: Das erste Enkelkind
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2 Gedanken zu „Tatort: Das erste Enkelkind

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