Als mir eine Kollegin in der Kaffeepause nebenbei erzählte, dass eine ihrer Freundinnen unter Schwangerschaftsdemenz litt, hielt ich das erst für einen Scherz. Das Wort hörte ich zum ersten Mal. Auf mein Lachen hin meinte meine Kollegin weiter, dass das ein verbreitetes Phänomen sei. Ihre Freundin würde z.B. ständig etwas vergessen und wüsste manchmal nicht mehr, über was man fünf Minuten zuvor geredet hatte.

Ich nickte verständnisvoll und fragte mich insgeheim, ob mir das wohl auch passieren würde. Ich war damals im zweiten Trimester, aber von irgendeiner Demenz war keine Spur. Vergesslichkeit während der Schwangerschaft? Pff, lächerlich. Dann kam das dritte Trimester und so langsam, ganz langsam, schlichen sich bei mir fiese kleine…ich nenne sie mal liebevoll „Aufmerksamkeitdefizite“ ein.

Während Besprechungen musste ich mich öfters mal zusammenreißen, um beim Blick auf die laufende Präsentation keinen verklärten Blick zu bekommen, während ich in Gedanken die Checkliste für die Erstausstattung durchging. Beim Mittagessen in der Kantine starrte ich versonnen auf meine Tortellini, während ich überlegte, wo wir am Besten die Wickelkommode unterbringen könnten.

Die Schwangerschaftsdemenz lässt mich Unsinn reden.
Jetzt hat sie mich erwischt, die Schwangerschaftsdemenz

Seltsamerweise ging es nicht nur mir so. Scheinbar ist die Schwangerschaftsdemenz ansteckend, denn auch mein Mann schien infiziert zu sein. Wir verwechselten immer öfter Wörter oder ersetzten diese wahllos mit „Dingens“ oder „Du-weißt-schon“. Auch die Grammatik litt zunehmend. So kamen Dialoge zustande wie:

„Hast du schon die Dingens aus dem na du-weißt-schon?“

„Ja.“

Eine Nebenwirkung der Schwangerschaftsdemenz scheint zu sein, dass sich die Infizierten gegenseitig trotzdem verstehen, ungeachtet aller fehlenden Wörter und Wünsch-dir-was-Synonyme. So ist vollkommen klar, dass mit der obigen Frage „Liebling, hast du bereits die Wäsche aus dem Trockner genommen?“ gemeint war.

Es sei noch zu erwähnen, dass die Schwangerschaftsdemenz nicht mit der Entbindung endet. Denn der kleine Bruder „Stilldemenz“ wartet schon ganz ungeduldig auf die ahnungslosen Eltern. Aber die stört das nicht weiter, schließlich verstehen sie sich ja.

Schwangerschaftsdemenz bei Eltern?
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