Es gab Zeiten, da war ich die Königin des Einschlafrituals. Zuverlässig und ohne viel Tamtam gelang es mir meistens mein Baby in den Schlaf zu begleiten. Doch heute muss ich mir eingestehen: Ich habe meine Krone verloren – oder zumindest irgendwo verlegt.

Seit Krümel in die Kita geht, hält er dort auch seinen Mittagsschlaf. So bleiben nur noch die Wochenenden, in denen er tagsüber zuhause schläft. Die letzten Wochen hat es immer schlechter mit dem Einschlafen geklappt. Oft hat dann der Papa übernommen, denn dieser Armwechsel half meistens und so haben wir den Mittagsschlaf bisher noch jedes Mal irgendwie herbei locken können.

Am vergangenen Montag erreichten wir dann einen neuen Tiefpunkt in unserer Einschlafritual-Karriere: Krümel und ich waren beide erkältet und so blieb ich mit ihm zuhause. Der Vormittag verlief ohne besondere Vorkommnisse, doch als die Mittagszeit näher rückte und Krümel die ersten Ermüdungserscheinungen zeigte, ging das „Ich-will-noch-nicht-schlafen“-Spiel los.

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Krümel machte keine Anstalten zur Ruhe zu kommen. Ich hatte ihn um 12 Uhr wie gewohnt auf den Arm genommen, noch etwas zu Trinken gegeben, mir sein Kuscheltuch über die Schulter geworfen und begonnen singend auf und ab zu gehen. So wie gewohnt eben. Doch ich hatte meine Rechnung ohne den Sohn gemacht: Er wollte runter vom Arm und lieber weiterspielen. Gut, dachte ich mir, dann ist er halt noch nicht müde genug. Spielen wir halt noch ein bisschen.

Nach einer halben Stunde zeigte er deutlichere Ermüdungserscheinungen und ich begann von neuem mit dem Einschlafritual. Doch auch jetzt war nichts zu machen. Alles war interessanter: Sein Spielzeug, der Tisch, der Vorhang, die Tapete. Ich begann nacheinander alle Register zu ziehen: Positionswechsel, Raumwechsel, Situationswechsel – nichts hatte auch nur den geringsten positiven Effekt. Ging ich mit Krümel im Arm singend auf und ab, wollte er runter. Setzte ich mich mit ihm auf den Sofa, wollte er runter. Legte ich mich mit ihm gemeinsam ins große Bett, kletterte er runter und lief kichernd aus dem Zimmer. Legte ich ihn in sein Bett, wollte er gleich wieder raus…undsoweiterundsofort.

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Dass ich selbst gerade gesundheitlich angeschlagen bin und meinerseits hundemüde war, machte es nicht leichter. „Schlaf doch endlich, du bist doch auch müde, verdammte Axt!“ hätte ich am liebsten gerufen. Je später es wurde, desto verzweifelter wurde ich.

Nach insgesamt zwei zermürbenden Stunden schlief Krümel um 14 Uhr endlich tief und fest. Für den Mittagsschlaf ist das viel später als mir eigentlich lieb ist, aber ich war so froh, dass er endlich schlief! Am liebsten hätte ich darauf einen Schnaps getrunken. Ich begnügte mich dann doch mit einer Tasse Kaffee.

An welchem Punkt ist mir eigentlich die Fähigkeit verloren gegangen, mein Kind in den Schlaf zu begleiten? Hat das hauptsächlich mit der Umstellung auf den Mittagsschlaf in der Kita zu tun oder ist Krümel einfach in einer Phase, in der er andere Einschlafbedürfnisse hat? Liegt’s an mir? Aber ich habe doch alles ausprobiert!

Unser abendliches Einschlafritual hat sich seit dem Kita-Start auch stark verändert, mittlerweile jedoch gut eingespielt. Nach viel Ausprobieren hat es sich nun etabliert, dass Krümel mit mir im großen Bett einschläft. Bis dahin hatte es ihm dort nie besonders gefallen – an Einschlafen war erst recht nicht zu denken. Neuerdings gefällt es ihm dort aber und wir haben ein Ritual, das uns allen gut tut.

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Nun hoffe ich inständig, dass wir auch für den Mittagsschlaf bald eine gute Lösung finden, die uns das Ganze wieder angenehmer macht.

Mit ohne Einschlafritual
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2 Gedanken zu „Mit ohne Einschlafritual

  • 13. Dezember 2015 um 10:35
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    Das kenne ich nur zu gut: kaum glaubt man, man hätte eine Routine gefunden, ist sie schon wieder im Eimet! Stimmt irgendwie schon, dass die Kleinen das Kommando angeben! Bei uns hat auch jeder sein eigenes Einschlafritual, welches aber leider nicht immer (aus Personalmangel:)!) umsetzbar ist… Schöner Blog!!! Viele Grüsse! Claudia. Schau doch mal bei mir vorbei

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    • 13. Dezember 2015 um 21:01
      Permalink

      Hallo Claudia,
      stimmt, beim Einschlafritual spielen so viele Faktoren eine Rolle. Manchmal muss man da alle Register ziehen, um rauszufinden, was denn grade nicht passt oder gebraucht wird.
      Da sage noch einer das Leben als Eltern verlange einem keine Kreativität ab ;-)
      Danke für die lieben Worte.
      Anja

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