Eine Schwangerschaft hinterlässt ihre Spuren. Nicht nur am Körper, sondern auch an der Seele. Durch die Schwangerschaft veränderte sich bei mir nicht nur der Bauch – auch die innere Einstellung zu meinem Körper wurde eine andere.

Vor der Schwangerschaft habe ich mich nie richtig unwohl in meinem Körper gefühlt. Zwar hatte er aus meiner Sicht ein paar „Macken“, aber im Großen und Ganzen hat’s gepasst.

Als der Schwangerschaftstest dann positiv war, entdeckte ich eine ganz neue, intensivere Art des Körpergefühls. Ich lauschte von da an jeden Tag in mich hinein und suchte nach neuen Anzeichen von meinem kleinen Mitbewohner: Ist mein Bauch schon größer geworden? War das der erste Tritt? Stolz habe ich meinen wachsenden Bauch durch die Gegend geschoben.

Hin und wieder habe ich damals überlegt, wie mein Körper wohl aussehen würde, nachdem das Baby auf der Welt war. Würde ich Schwangerschaftsstreifen haben? Einen hängenden Bauch? Würde ich viel Speck auf der Hüfte zurück behalten? Würden mir Haare ausfallen?

Jetzt – gut ein Jahr nach der Geburt – weiß ich wie er aussieht. Was Schwangerschaftsstreifen und Haarverlust angeht wurde ich ziemlich verschont. Dafür ist die Linea nigra noch zu sehen und meine Kaiserschnittnarbe verblasst zwar, wird mich aber noch mein Leben lang begleiten. Obwohl ich nach wie vor mit dem damaligen Kaiserschnitt hadere (dazu hier mehr), habe ich überhaupt kein Problem mit der Narbe. Wir pflegen fast ein freundschaftliches Verhältnis.

Mir kam es nach der Geburt nie in den Sinn, meinen Körper wegen den Überbleibseln der Schwangerschaft zu verstecken. Ich trage im Schwimmbad weiterhin Bikini statt Badeanzug und lasse mich auch vom (wenn auch sehr seltenen) Sauna-Besuch nicht abhalten. Wer das nicht schön findet, darf gerne wegschauen.

Ich betrachte die Veränderungen an meinem Körper als ein Zeichen dafür, dass ich ein Kind zur Welt gebracht habe, dass ich Mutter geworden bin und dass unsere Familie ein neues Mitglied bekommen hat. Die Veränderungen sind quasi meine eigene Form des Ganzkörper-Tattoos als Light-Version.

Aber die Zufriedenheit ist nicht ganz perfekt, denn eine Sache stört mich doch: Da ist dieses Schlappheitsgefühl. Und damit meine ich ausnahmsweise nicht den Schlafentzug oder die Erschöpfung, die oft mit dem Leben mit Kind einhergeht. Es ist die fehlende körperliche Fitness.

Vor der Schwangerschaft war ich keine Sportskanone, aber in den letzten Jahren hatte ich zumindest eine ganz passable Grundausdauer, mit der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Hin und wieder habe ich an einem Volkslauf oder Halbmarathon teilgenommen. Zwar war ich nie schnell unterwegs, aber ich hatte immer Spaß dabei und kam ins Ziel bevor mich der Besenwagen aufsammelte.

Mein Leben als Rennschnecke
Mein Leben als Rennschnecke

Mit der Schwangerschaft war dieses Hobby erst mal vorbei. Zuerst weil ich keine fünf Minuten mehr laufen konnte, ohne nach der nächsten Toilette Ausschau zu halten, später weil ich meist nach wenigen Minuten Bewegung Bauchschmerzen bekam. Nach der Geburt bekam ich durch das Herumtragen von Krümel dann zumindest die gefühlte Armmuskulatur von Meister Propper. Meine Ausdauer brachte das natürlich nicht zurück.

Ich möchte das zufriedene Körpergefühl zurück, das mir mein Rennschnecken-Dasein gegeben hat. Es fehlt mir. Ich will endlich wieder laufen. Dies ist das Einzige, um das ich meinen Mutterkörper gerne wieder erweitern würde.

Diese Woche habe ich den ersten zaghaften Schritt in Richtung alter Form unternommen. Wir haben uns einen Baby-Jogger zugelegt und haben sogar vor ihn zu benutzen. Vielleicht nur zwei oder drei Mal im Monat. Aber das wäre doch schon mal was, nich‘?

Was ich allerdings schade finde ist, wenn Frauen ein schlechtes Gewissen eingeredet wird. Entweder weil sie „doch gefälligst mit ihrem Körper zufrieden sein sollen“ oder weil sie „doch mal mehr aus sich machen sollen“. Ich finde, dass jede Mama ein Recht darauf hat mit ihrem Körper so zufrieden oder unzufrieden zu sein wie sie es eben ist. Da soll ihr auch niemand reinreden. Jede macht ihr eigenes Ding. Die eine geht fünfmal die Woche ins Bootcamp, die andere betreibt Frust-Shopping bei Zalando, die Dritte kümmert’s überhaupt nicht und die Vierte kauft sich ’nen Baby-Jogger.

Körpergefühl bleibt Privatsache, egal ob Mama oder nicht.

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Dieser Artikel ist Teil der Blogparade #Mutterkörper vom Blog „Das frühe Vogerl“. Dort findet ihr auch alle weiteren Beiträge, die in diesem Rahmen veröffentlicht wurden, also schaut vorbei!

 

P.S.: Ich muss dringend mal dem Phänomen nachgehen, warum ich es immer erst am allerletzten Tag einer Blogparade schaffe, meinen Beitrag zu posten. Hmmm, muss ´ne Verschwörung sein.

Als ich noch eine Rennschnecke war – #Mutterkoerper
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