Eigentlich wollte ich mich heute ein wenig ausheulen. Darüber, dass ich mich wie auf’s Abstellgleis abgeschoben fühle. Es hat damit angefangen, dass wir kurz vor Weihnachten zu meinen Eltern gefahren sind, um dort die Zeit zwischen den Jahren zu verbringen. Kaum angekommen rannte Krümel auf seine Oma zu und beschlagnahmte sie zum Spielen. Tjoa und so blieb es dann. Was Mama und Papa machten, schien Krümel herzlich egal. Für ihn zählte einzig und allein die Oma.

Erst freute ich mich einfach: Krümel war glücklich, die Oma war glücklich und ich war glücklich und hatte mal ein bisschen Luft. Auch an den folgenden Tagen stand die Oma ganz oben auf Krümels Liste der Lieblingsfamilienmitglieder. War die Oma mal nicht da, war ich wieder Nummer 1, sobald sie allerdings in der Nähe war, war ich wieder abgemeldet. Wollte ich mal mit Krümel den Raum verlassen, um wo anders zu spielen oder mit ihm spazieren zu gehen, gab es meist lauten Protest. Es gipfelte irgendwann darin, dass Krümel eines Nachmittags von mir zurückwich und vehement den Kopf schüttelte, als ich mich zum Spielen dazugesellen wollte.

Diese Zurückweisung kam so unerwartet und versetzte mir solch einen Stich, dass ich erst mal nicht wusste wie ich reagieren oder mich fühlen sollte: Verblüfft? Gekränkt? Sogar wütend? Aber der Krümel konnte ja nichts dafür und die Oma erst recht nicht. Also schluckte ich den Klos, der sich in meinem Hals gebildet hatte, runter und hielt mich im Hintergrund, um zu warten bis Krümel mich von sich aus ins Spiel einbezog.

Kennt ihr dieses blöde Gefühl der…ich weiß selbst nicht wie ich es überhaupt nennen soll…Eifersucht? Da war man bisher der Nabel der Welt für den Krümel und plötzlich steht man auf dem Abstellgleis – oder fühlte sich zumindest so.

Gibt es im Leben eurer Kinder auch einen Menschen, für den sie euch links liegen lassen? Bei uns ist das wie gesagt die Oma. Mein Sohn liebt sie heiß und innig – so wie ich auch. Neben meinem Mann und mir war sie von Anfang an der wichtigste Mensch in seinem Leben. Sie ist seit seiner Geburt regelmäßig bei uns, geht mit ihm spazieren, spielt mit ihm und ist immer für uns da. Obwohl sie nicht gerade in der Nähe wohnt, reist sie regelmäßig her, um Zeit mit ihrem Enkel zu verbringen. Und da saß ich nun an diesem Nachmittag auf der Spieldecke, schaute Kind und Oma beim Spielen zu und mopperte innerlich vor mich hin. Ich war wirklich verletzt und traurig. Mir war bewusst, dass ich mich doch einfach freuen sollte, aber das tat nur ein Teil von mir. Der andere Teil ließ niedergeschlagen den Kopf hängen. Dieses Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden schleppte ich einige Tage still mit mir herum. Mein Mann erzählte, dass er als Kind komplett auf seinen Opa fixiert war und seine Eltern damals genauso hinten anstanden wie wir jetzt bei Krümel. Das beruhigte mich allerdings überhaupt nicht, sondern ich quälte mich mit Gedanken wie: „Braucht Krümel mich etwa nicht mehr?“. Sicher, das war eine völlige Überreaktion, aber so fühlte ich eben – immerhin ging es um mein Baby.

Eines Abends wurde ich dann aus meinem selbstgegrabenen, kleinen Jammertal herausgezogen: Krümel spielte mit der Oma im Wohnzimmer und ich saß nebenan mit meiner Cousine am Tisch und unterhielt mich. Da kam Krümel herbeigeeilt, kletterte auf meinen Schoß, warf mir über die Schulter sein typisches Lausbuben-Grinsen zu und kuschelte sich an mich. Mir wären in diesem Moment fast die Tränen gekommen. Da war plötzlich alles wieder gut und ich realisierte endlich wie unbegründet meine Sorgen der vergangenen Tage waren. Natürlich braucht mich Krümel und natürlich hat er mich lieb – ich bin doch seine Mama! Und daran ändert eine tolle Beziehung zu seiner Oma nichts. Ganz im Gegenteil: Das macht alles noch schöner.

Dies ist also doch kein Jammer-Beitrag, als der er mal gedacht war, sondern das Festhalten einer Erkenntnis: Meine Mama ist einfach die beste Oma für unseren Kleinen, die ich mir vorstellen kann. Und dafür möchte ich heute einfach DANKE sagen.

Mama auf dem Abstellgleis
Markiert in:     

4 Gedanken zu „Mama auf dem Abstellgleis

  • 16. Januar 2016 um 11:02
    Permalink

    Ich kenne das gut! Wir sind der Default-Modus, die anderen das Exklusive, Spannende. Mir hat das auch immer sauweh getan. Jetzt sind meine Kinder 15 und die eine wendet sich KOMPLETT ab und verletzt sich selbst. Und ich drehe schon wieder völlig am Rad. Da ich Webdesign für Heilberufe mache, bin ich umgeben von Heilpraktikern und daher gut begleitet.
    Und daher kann ich dir einen Hinweis geben: Forsche in deiner Kindheit (vielleicht warst du noch ein Baby) nach traumatischen Erlebnissen, die in dir das Gefühl ausgelöst haben, nicht liebenswert oder sowas zu se5. Wenn wir weinen, weil unser Kind uns ablehnt oder ignoriert, handeln wir aus dem Inneren Kind heraus, nicht aus der Erwachsenen. Ich sage das als geläuterte Betroffene! Das Kind zeigt uns immer unsere tiefsten Schmerzen – natürlich unbewusst. Dein Sohn ist jetzt noch klein -wenn du jetzt schon gut für dich sorgst und mit diesem Schmerz zu einem Fachmann gehst, investierst du in eine kraftvolle Zukunft, in der du ihn gut begleiten kannst, ohne dich emotional an ihn zu hängen.

    Mitfühlende Grüße
    Michaela

    Antworten
    • 18. Januar 2016 um 18:01
      Permalink

      Hallo Michaela,

      es ist wirklich lieb von dir, dass du dich sorgst. Ich glaube nur, du hast da etwas zu viel in meine Worte hinein interpretiert – vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt. Die Sache mit dem „Abstellgleis“-Gefühl hat sich wie gesagt bald wieder in Wohlgefallen aufgelöst. Nach ein paar Tagen war alles wieder beim Alten. Krümel musste nur seinen „Akku“ mit Oma-Zeit ausfüllen, danach waren auch Mama und Papa wieder interessant und die Oma musste hinten anstehen :-)

      Aber danke für deine lieben und gut gemeinten Worte. Ich weiß sie sehr zu schätzen.

      Liebe Grüße
      Anja

      Antworten
      • 18. Januar 2016 um 18:31
        Permalink

        Na gut! ;)
        Kann sein, dass ich einfach aus meinem eigenen aktuellen Schmerz geschrieben habe.
        Und falls du doch merkst, dass es nochmal vorkommt, fällt dir vielleicht wieder ein, was ich vorgeschlagen habe.
        Alles Gute euch allen weiterhin!

        Antworten
        • 18. Januar 2016 um 18:38
          Permalink

          Ich behalte deine Worte im Hinterkopf.
          Danke nochmal und alles Gute!

          Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Michaela Albrecht Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: