Wie bereits geschrieben, hatte uns eine dreimonatige Krankheitswelle dahin gerafft. Aber ich möchte euch nicht weiter mit Details langweilen. Die kennt ihr von euren eigenen Krankheitswellen sicherlich zur Genüge. Ich möchte euch lieber an ein paar Erkenntnissen teilhaben lassen, die ich aus der Zeit in unserem Familien-Lazarett mitgenommen habe.

Kranksein - Stetoskop und Thermometer

Erkenntnis Nr. 1: Kranksein stinkt

Gut, das ist jetzt ziemlich offensichtlich. Dennoch möchte ich dieser Tatsache einen eigenen Punkt widmen, da er mir noch nie so bewusst war wie heute: Kranksein stinkt. Und zwar gewaltig. So, wär das auch geklärt.

Erkenntnis Nr. 2: Vereinbarkeit?

Job, Kind und Kegel lassen sich bei uns mehr oder weniger vereinbaren – zumindest dann, wenn alles seinen geregelten Gang geht. Eine Woche mit krankem Kind zuhause zu bleiben geht noch. Zwei Wochen auch irgendwie. Aber drei, vier oder mehr? Zu unserem großen Glück war meine Mama für uns da und sprang als Babysitter ein, wenn bei uns nichts mehr ging. Ich habe keine Ahnung wie wir ohne sie klar gekommen wären. In letzter Zeit habe ich mir mehr als einmal die Frage gestellt, ob das mit Kleinkind und Job überhaupt klappen kann.

Erkenntnis Nr. 3: Armes Häschen bist du krank

Es machte traurig mit anzusehen wie der Krümel über Wochen hinweg immer wieder mit anderen Symptomen zu kämpfen hatte. Wie er schwitzend, röchelnd und jammernd auf dem Sofa lag und nicht wusste wie ihm geschieht. Eigentlich sollte er doch Herumrennen, Spielen und Blödsinn anstellen. Stattdessen wollte nichts mehr schmecken und selbst die Energie um mit Mama ein Bilderbuch anzuschauen fehlte. Da war der sonst so quirlige und aufgeweckte Krümel plötzlich nur noch müde und teilnahmslos. Den Kleinen so zu sehen war das Schlimmste an der ganzen Sache.

Erkenntnis Nr. 4: Großwerden lässt sich nicht aufhalten

Auch wenn der kindliche Körper während so einer Zeit viel durchmachen muss: Das Großwerden lässt sich dadurch nicht aufhalten. So kann der kleine Mann plötzlich in Windeseile Schienen alleine zusammenstecken und einen Legoturm bauen. Auch die Eckzähne haben sich in dieser Zeit ihren Weg nach draußen gebahnt. Noch dazu ist unser Krümel nun ein wahres Plappermäulchen. Nach der ersten Fieberwelle kamen die dreisilbigen Worte herausgepurzelt. Nach der zweiten Welle gesellten sich die viersilbigen hinzu und seit Kurzem kommen die Zwei-Wort-Sätze aus ihm heraus gesprudelt. Und plötzlich frage ich mich wo mein kleines Baby geblieben ist.

Erkenntnis Nr. 5: Irgendwie geht immer noch ein bisschen mehr

Egal wie sehr Krankheit, Arbeitsstress und schlaflose Nächte an Kräften und Nerven zehren – wenn man denkt, man kann nicht mehr, findet man irgendwo, tief versteckt doch noch ein Quäntchen Restenergie, das einen auch die gefühlte zweihundertdrölfzigste Nacht mit Gliederschmerzen, weinendem Kleinkind und einem Brummschädel in der Größe eines Heißluftballons überstehen lässt.

Erkenntnis Nr. 6: Augentropfen – der neue Familienspaß

Eine der blödesten Begleiterscheinungen beim Kranksein ist die Einnahme von Medikamenten – zumindest bei Kleinkindern. Wo Fiebermessen schon verhasst ist, erreichen Ohren- und Augentropfen gar ungeahnte Höhen auf der Unbeliebtheitsskala. Weinen, Schreien, Treten, Hauen – und ich kann es ihm nicht mal verübeln. Da helfen nur viel Geduld und Kreativität. So konnten wir Krümel die Nasentropfen schließlich schmackhaft machen, indem wir ihm jedes Mal geräuschvoll vormachten wie er sie hochschniefen kann. Das fand er so lustig, dass er die Tropfen bald geduldig annahm.

Die Augentropfen waren jedoch eine ganz andere Herausforderung. Wer lässt sich schon freiwillig Zeug ins offene Auge tropfen? Also versuchten wir es mit einer ähnlichen Taktik wie bei den Nasentropfen. So quasselten mein Mann und ich jedes Mal munter auf Krümel ein und erzählten ihm, dass er gleich ganz viel Blinzeln müsse. Natürlich machten wir es ihm wieder mit überschwänglichen Gesten vor. Er war dann so sehr damit beschäftigt alles nachzuahmen, dass er die Tropfen kaum noch mitbekam. Jedes Tropfen wurde dann mit viel „Juhu“ und Abgeknutsche von uns gefeiert. Nach ein paar Tagen gab es nicht einmal mehr Tränen oder Gezappel, sondern fast schon so etwas wie Vorfreude beim Krümel. Echt verrückt. An Krümels Stelle hätte ich uns den Vogel gezeigt.

Erkenntnis Nr. 7: Knuddelalarm!

Der allerschönste Nebeneffekt des vielen Krankseins war das Knuddeln. Obwohl Krümel noch nie der große Kuschler war, brauchten wir zum Gesundwerden alle mehr Körperkontakt. Das hilft einfach am besten und macht glücklich. Aber noch schöner ist, dass Krümel – jetzt wo er wieder fit und ganz der Alte ist – seinen Kuschelbedarf nicht auf das frühere Minimalmaß herunter geschraubt hat. Kuscheln, Umarmen, Knutschen – ich genieße es in vollen Zügen.

Erkenntnis Nr. 8: Alltag rockt!

Ich wusste gar nicht wie großartig so ein stinknormaler Alltag sein kann. Wenn alles seinen gewohnten Gang geht und einfach mal alle gesund sind – herrlich! Ich feiere gerade jeden gesunden Tag fast wie einen Wellness-Urlaub.

Erkenntnis Nr. 9: Tapetenwechsel

Auch wenn der Alltag gerade einfach nur gut tut: Es zieht mich vor die Tür. Ich habe genug vom drinnen herum Hocken. Ich brauche Abwechslung. Deshalb sind wir zur Zeit jeden Tag lange draußen und nutzen die Wochenenden für Ausflüge wie z. B. nach Heidelberg oder zum Baumwipfelpfad, über den ich auch noch schreiben werde. Das tut uns allen gut und entschädigt für die kräftezehrenden letzten Monate.

Möge uns der Rest des Jahres gewogener sein, was die Familiengesundheit anbelangt.

Bleibt gesund!

 

Erkenntnisse aus dem Familien-Lazarett
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