Seit ein paar Monaten hat mich das Berufsleben wieder – zumindest halbtags. Dadurch hat sich unser Alltag gewandelt. Ich musste mich umorganisieren und eine neue Tagesstruktur schaffen, um rechtzeitig in der Kita zu sein, die Termine im Büro einzuhalten, mich dort in meine neuen Aufgaben einzuarbeiten, pünktlich wieder bei Krümel zu sein und alles, was sonst noch anfällt, nicht aus den Augen zu verlieren.

Besonders die ersten beiden Arbeitswochen habe ich als sehr anstrengend empfunden. Ausnahmslos jeden Abend fielen mir damals auf der Couch die Augen zu, sobald Krümel im Bett lag. Ich fühlte mich sowohl körperlich als auch geistig den ganzen Tag über so gefordert, dass mein Körper abends freiwillig frühzeitig das Licht ausknipste.

Die morgendliche Routine mit dem Weg zur Kita hatte sich schon während der Eingewöhnung gut eingespielt. Deshalb war ich davon ausgegangen, dass die Umstellung von „Kita“ auf „Kita und Job“ nicht ganz so anstrengend sein würde. Falsch gedacht wie ich dann jeden Abend in den kurzen wachen Momenten feststellte, bevor ich schon um kurz nach 20 Uhr im Traumland versank.

Durch meine Halbtagstätigkeit kamen ein paar Posten mehr auf die tägliche Todo-Liste: Erstens musste ich nun zusätzlich meine Termine im Büro im Hinterkopf haben. Zwar bin ich zeitlich einigermaßen flexibel, doch es gibt Meetings, die ich nicht verpassen sollte. Zweitens muss Krümels Wegzehrung für den Heimweg am Nachmittag eingepackt werden – bei Vergessen könnten sich sonst größere Dramen abspielen. Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass ich etwas mehr Zeit für mich selbst im Bad einplanen muss – schließlich möchte ich nicht im Schlabber-Look ins Büro. Wenn am Tag sonst nichts Ungewöhnliches ansteht, frühstücken wir noch eine Kleinigkeit und ziehen uns winterfest an. Die Bahnfahrt nutzen wir zum Rumalbern oder zum Kuscheln, wenn Krümel in der Stimmung ist. In der Kita angekommen wird Krümel umgezogen und wir gehen zu seiner Gruppe. Ein kurzes Gespräch mit seiner Erzieherin, Abschiedsknutscher und es geht für mich weiter ins Büro. Dort scheint das Raum-Zeit-Kontinuum eine Macke zu haben, denn die Zeit verrinnt wie im Flug. Nach dem Mittagessen werfe ich regelmäßig Blicke auf die Uhr, um nicht zu spät zu Krümel zu kommen. Meist muss dann irgendeine Aufgabe unterbrochen werden und bis zum nächsten Tag warten. Dann husch rüber zur Kita und Krümel aufgabeln. In der Bahn darf er sein Obst knabbern, zuhause gibt es den Rest vom Nachmittags-Snack.

Während ich an diesem Tagesordnungspunkt schon recht erledigt bin, ist Krümel in Hochform. So verbringen wir den Rest des Nachmittags mit Spielen. Oft wird nebenher noch die eine oder andere Portion Wäsche gestartet oder etwas anderes im Haushalt erledigt. Vor meinem Job-Einstieg konnte der Haushalt den ganzen Tag über nebenherlaufen. Heute konzentriert es sich auf die späten Nachmittage oder Abende und Größeres erledigen wir an den Wochenenden.

Erst wenn Krümel friedlich schläft ist auch für uns Eltern richtig Zeit zum Durchatmen. Da merke ich wie voll sich so ein Tag anfühlen kann. Durch den beruflichen Wiedereinstieg habe ich auch mal wieder erfahren wie stark Veränderungen an meinen Kräften zehren. Doch glücklicherweise hat jede Umstellung mal ein Ende. Kaum hat sich der Alltag einmal eingespielt, ist alles wieder viel entspannter. Dann ist auch am Ende des Tages wieder genügend Energie übrig, um den Feierabend zu genießen – nun ja, meistens.

Fühlte ich mich nach zwei Wochen Job also gerade zuversichtlich, dass wir unseren Alltag routiniert im Griff hätten, da erwischte uns eine Krankheitswelle. Auf dieser reiten wir nun seit zwei Monaten auf und nieder. Und schwupp!…ist die ganze schöne und hart erarbeitete Struktur dahin: Krümels Betreuung, Arzttermine und unsere Jobs müssen täglich neu jongliert werden. Manchmal ist so viel zu organisieren, an so viel zu denken und so viel zu tun, dass ich meine eigenen Gedanken kaum noch hören kann. In solchen Momenten wünschte ich, im Tagesablauf einfach mal auf Pause drücken zu können. Einfach mal Stille, wenn auch nur für fünf Minuten.

Jetzt verstehe ich die Leute etwas besser, die erzählen, dass Familie und Beruf eine Doppelbelastung sein können. Allerdings empfinde ich meinen Job auch als Kraftquelle. Es tut gut, wieder meine Kollegen um mich zu haben, mich neuen Dingen zu widmen und mein Wissen einzubringen. Und allmählich bekommen wir auch in dieses blöde Krankheits-Ping-Pong-Chaos so langsam Routine rein.

Das bisschen Arbeit…
Markiert in:

4 Gedanken zu „Das bisschen Arbeit…

  • 24. Januar 2016 um 15:23
    Permalink

    Kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Umstellung des Alltags vor allem in der ersten Zeit recht kräfteraubend ist. Doch wie Du selbst sagst: eine Routine kommt bald rein und somit auch etwas mehr Gelassenheit. Ich habe wöchentlich verschiedene Arbeitszeiten; manchmal arbeite ich wochenlang gar nicht und dann mal wieder jedes Wochenende etc. Ist auch nicht leicht, vor allem mit zwei kleinen Kindern. Und mein armer Mann hat die Beiden dann mal zwei Tage am Stück allein von früh bis abends…Aber die Abwechslung tut uns Mamas auch gut! Viele Grüße! Claudia

    Antworten
    • 24. Januar 2016 um 15:59
      Permalink

      Hallo Claudia,

      ja, „Abwechslung“ trifft es sehr gut. Morgens freue ich mich auf’s Büro, nachmittags auf meinen Krümel. Beide Welten sind toll und ich möchte sie nicht missen. Nur das Jonglieren fällt manchmal schwer.
      An so unregelmäßigen Arbeitszeiten wie bei dir hätte ich vermutlich ziemlich zu knabbern. Da müsst ihr ja noch tiefer in die Organisations-Trickkiste greifen.

      Liebe Grüße
      Anja

      Antworten
  • 24. Januar 2016 um 22:59
    Permalink

    Oh ja, das kenne ich sehr gut. Zum Glück habe ich zwischen Arbeit und Kita ca. 1h Pause, in der ich was im Haushalt mache, aber auch ein wenig runterkomme (meist). Das ist mir sehr wichtig. Dafür bin ich dann aber mit den Kindern nach der Kita meist noch unterwegs und im Sommer kommen wir selten vor 18 Uhr wieder nach Hause… Und das ist auch schön, am Nachmittag noch mit den Kindern zusammenzusein.
    Mir geht es auch so, dass der Job einerseits Kraftquell, andererseits aber auch zehrend ist und ich mir manchmal wünsche, mehr frei zu haben (1 freier Tag pro Woche). Andererseits, wenn der Rhythmus nicht gestört ist, klappt alles ganz gut unter der Woche. Bei uns war er aber in den letzten Wochen auch oft durch Krankheit gestört und das raubt dann viel Kraft.
    In diesem Sinne: im Frühling wird alles besser;)
    Liebe Grüße!

    Antworten
    • 24. Januar 2016 um 23:15
      Permalink

      Dieses Runterkommen nach der Arbeit würde ich mir auch wünschen. Da beineide ich manchmal meinen Mann, der den Arbeits- und Heimweg für sich hat ;-) Das Umschalten von „Arbeitnehmerin“ auf „Mama“ gelingt mir ohne Durchatmen nicht so recht. Vielleicht führe ich ein, dass ich nach der Arbeit einfach noch eine kurze Runde spazieren gehe. Wie ich mich kenne, werde ich dann allerdings nur ein schlechtes Gewissen haben, dass der Kleine jetzt länger in der Kita sein muss…

      Oh ja, ihr seid ja noch mehr von Krankheiten gebeutelt als wir. Ich wünsche uns allen einen baldigen Frühling und endlich ein Ende der Husten-Fieber-und-Rotznasen-Zeit!

      Liebe Grüße
      Anja

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: