Im vergangenen Monat ist mein Sohn dem Kleinkindalter entwachsen und hat die sog. „Terrible Two“ hinter sich gelassen. Vor einem Jahr habe ich hier im Blog darüber sinniert wie dieses dritte Lebensjahr für uns sein und vor welche Herausforderungen es uns wohl stellen würde.

Nun bin ich ein Jahr schlauer und kann sagen, dass wir die Terrible Two wohlbehalten durchschifft haben. Jetzt kann ich ja zugeben, dass mir davor schon ein wenig mulmig war. Man liest ja so allerhand von heftigen Wutanfällen, Trotz und dem Aufbruch zur aufwühlenden Autonomiephase. Damit will ich nicht sagen, dass das alles keine Rolle gespielt hätte. Ganz im Gegenteil: Nicht selten gab es Situationen, die mich an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Außerdem habe ich das Gefühl, dass im Bezug auf die Autonomiephase noch einiges auf uns zukommen wird.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Heute möchte ich die schönen Seiten dieser Zeit in den Vordergrund stellen. Denn davon gibt es eine Menge.

Als mein heute Dreijähriger noch ein Baby war dachte ich, in solch einem Tempo, in dem er sich entwickelt und Neues lernt, kann das unmöglich weitergehen. Und klar: Krabbeln, Laufen, Sprechen – das sind alles große Meilensteine. Aber so ein Zweijähriger hat da noch so einiges im Petto.

Eine Entwicklung, die mir bei Krümel besonders viel Freude macht, ist sein Humor. Wir haben viele neue Wege gefunden, miteinander Spaß zu haben. Wir können über uns selbst lachen, herumblödeln und uns über Quatschreime beömmeln. Das Schöne ist: Zweijährige haben noch keine hohen Ansprüche an Versmaß und Inhalt – ich kann also noch locker mithalten. Im Zweifelsfall einfach auf „Kacka“ reimen und der Sohn geht kichernd zu Boden.

Auch was das Verstehen von Situationen angeht, hat Krümel einen riesen Sprung gemacht. Ich kann ihm mittlerweile Vieles erklären und er akzeptiert es dann auch des Öfteren, auch wenn es ihm eigentlich gegen den Strich geht. Das hilft uns beim Auflösen von Konfliktsituationen, wenn unsere Interessen mal wieder auseinandergehen. So z. B. wenn ich darauf bestehe, dass er auf dem Fußweg bleibt, anstatt auf dem stark befahrenen Fahrradweg herumzutollen und plattgefahren zu werden.

Abgesehen von solchen „einsichtigen“ Momenten, hat Krümel mehr denn je seinen eigenen Kopf. Auch wenn mir das manchmal das Gefühl gibt, gegen eine Betonmauer anzuquatschen, bin ich von seinem Taten- und Entdeckungsdrang sehr fasziniert. Er interessiert sich für einfach alles. Dabei wird für ihn das Wie und Warum immer wichtiger. Dabei wird er auch nicht müde, bei uns Erwachsenen nachzufragen bis wir endlich die passenden, kindgerechten Worte gefunden haben, um es ihm zu erklären.

Wenn es irgendwie möglich ist, geht er der Sache aber selbst auf den Grund. Dabei befindet er sich manchmal regelrecht in einem Tunnel, in dem er von seinem Vorhaben durch nichts und niemanden abzubringen ist. So bleibt mir manchmal nichts weiter zu tun als abzuwarten bis er an der Spüle sein aktuelles Wasser-von-Gefäß-zu-Gefäß-schütt-Experiment vollendet hat und dabei ein Auge darauf zu haben, dass nicht die komplette Wohnung in ein Schwimmbad verwandelt wird. Jedes „Achtung!“ oder „Nicht so viel Wasser!“ wäre eh vergebene Liebesmüh, während sich der Sohn in seinem Tunnel befindet.

Wo ich vorhin von Konfliktsituationen schrieb: Wir haben regelmäßig (und mit „regelmäßig“ meine ich „ständig“) unterschiedliche Auffassungen davon, wie und wann wir Dinge tun sollen. Sei es nun das Wechseln der Windel, das Zähneputzen oder das Nachhause Gehen – in diesem Haushalt wird viel verhandelt. Manchmal komme ich mir vor wie auf dem Basar:

„Komm, Krümel, lass uns die Windel wechseln.“

„Nein, erst noch Malen, ein Buch lesen und ein Krankenhaus bauen.“

„Wir können noch eine Geschichte lesen und dann kommst du mit, ja?“

„Erst Malen und dann eine Geschichte lesen. Dann Windelwechseln.“

„Wir lesen ein Buch und nach dem Windelwechseln malen wir, in Ordnung?“

„Drei Bücher. Drei klitzekleine Bücher, ja Mama?“

Fehlt nur noch der Duft von exotischen Gewürzen.

Meist muss ich bei Krümels Verhandlungsgeschick grinsen. Er ist bald Profi. Könnte mir beim nächsten Möbelkauf vielleicht noch nützlich werden.

Überhaupt hat sich Krümels Sprache und Verständnis im letzten Jahr enorm weiterentwickelt. Manchmal habe ich den Eindruck, er hat die Welt in ihrer ganzen Fülle verstanden. Dann kommt er mir schon so groß und erwachsen vor. Im nächsten Moment liegen wir bei der Einschlafbegleitung nebeneinander und er stellt mir Fragen über Dinge, die ihn beschäftigen. In manchen dieser Momente merke ich, wie viel er mitbekommt und wie klein und verletzlich seine Welt noch ist. Das macht mich demütig und ich bin sehr dankbar, ihn auf dem Weg zum Großwerden begleiten zu dürfen.

Noch ein weiteres cooles Feature hat Krümel im vergangenen Jahr installiert: Das Rollenspiel! Wir verbringen seither viel Zeit damit „Restaurant“ oder „Apotheke“ zu spielen. Oder wir sind Eichhörnchen, die sich eine kuschlige Höhle aus Decken bauen. Oder wir sind Mama- und Babyhase, die sich erst verlieren und dann wiederfinden (ich bin übrigens der Babyhase). Diese Spiele gefallen mir besonders, weil sie Krümels Phantasie so richtig zum Sprudeln bringen. Aber auch Puzzeln und die ersten zaghaften Schritte in Richtung Gesellschaftsspiele sind super.

Auch Musik fordert Krümel nun immer aktiver ein. Entweder er schnappt sich sein Kinder-Keyboard (eines der wenigen Dudel-Spielzeuge, die wir angeschafft haben) oder die Gitarre und singt selbst. Oder mein Mann und ich sollen bestimmte Lieder auf dem Handy abspielen. So lief bei uns schon im Frühling die „Weihnachtsbäckerei“ rauf und runter. Allerdings lässt sich über Krümels Musikgeschmack streiten. Die Lieder, die ich vorschlage, werden meist mit „Das ist kein schönes Lied!“ quittiert. Pff. Banause.

Überhaupt hat sich das Spielen und Interagieren mit Krümel im vergangenen Jahr gänzlich verändert. In der Kita hat er Freundschaften mit Gleichaltrigen geknüpft – er ist nicht mehr hauptsächlich auf die Erwachsenen fixiert. Und auch mit seinen Cousins kommt er immer mehr ins Spiel. Das freut mich besonders und ich bin gespannt wie sich das weiterentwickelt.

Alles in Allem, habe ich Krümels drittes Lebensjahr als das anstrengendste empfunden. Es war aber auch das bisher schönste.

Das 3. Lebensjahr – Eine Lobhudelei
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